Notizen

10.08.2010

Darko Spoljar
Über Marcel Reich-Ranicki:

Als ich vor einigen Jahren das „Literarische Quartett“ entdeckt habe, gab es danach keine Folge, die mir verwehrt blieb. Atemlos hörte ich den Ausführungen des für mich größten Kritikers aller Zeiten zu, mochte aber auch die Kollegen Karasek und Löffler, in den meisten Fällen auch den Gast. Die Liebe des Reich-Ranicki gegenüber großartiger Literatur strömt sofort auf den Zuschauer über. Ich war nicht immer seiner Meinung. Frank McCourt’s „Die Asche meiner Mutter“ hat mich gefesselt – den Literaturpapst nicht. Aber er hat mir die Liebe zur russischen Literatur geöffnet und mir ebenfalls gezeigt, wie genial „100 Jahre Einsamkeit“ von G.G. Marquez ist. Er hat wichtige Elemente wie den „doppelten Boden“ für Autoren beschrieben und in den meisten Fällen auch Recht. Es steht mir nicht unbedingt frei, mich über „Kollegen“ negativ zu äußern, doch Peter Handke war die meine Welt auch nicht.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über die Erfolge von Bestsellerautoren und Harry Potter:

Wer kennt ihn nicht, den Neid. Als unbekannter oder erfolgloser Schriftsteller neigt man schnell dazu, die Bestseller-Liste schlecht zu reden. Und in bestimmten Fällen ist es auch wahr oder will mir jemand tatsächlich erzählen, die „Werke“ von Dieter Bohlen seien alles Meisterwerke? Wohl kaum. Doch darauf kommt es nicht an. Die These lautet ganz einfach: „Wenn die Leute das doch lesen wollen …“
Und mehr nicht. Wenn man samstags vor der Mattscheibe sitzt und Bohlen auf die gleiche Art und Weise über die Kandidaten zedern oder Loblieder auf diese von sich geben hört, so weiß man, was einen erwartet, wenn man sich brav „DSDS“ anschaut. Und genauso ist es mit seinen Büchern. Das „Publikum“ will eben was es will. Wenn John Grisham ewig über junge Anwälte schreibt die sich gegen einen großen Gegner stellen, Dan Brown interessante geschichtliche Fakten mit dem Thriller-Genre verbindet und Stephen King über Geschehnisse schreibt, die (meist) immer in einer kleinen Stadt spielen, so weiß man sehr genau was man bekommt. Es ist ein wenig wie die Sucht der McDonalds Jünger: die meisten bestellen immer das gleiche. Und schließlich ordert man auch beim Italiener um die Ecke seine Lieblingspizza und wagt sich lieber nicht an neue heran.
Vergessen dürfen wir dabei auch nicht die Medien: nach wie vor üben diese immer noch den größten Einfluss aus und hier meine ich nicht nur das TV oder Zeitungs- und Magazinberichte, nein, die Mundpropaganda die durch Internetforen entstehen, sind keineswegs zu unterschätzen und wer das nicht glaubt, sollte einmal recherchieren, wie Harry Potter zu einem Bestseller wurde.
Und … Was auch immer man von dem bebrillten Helden hält, für eines sind wir J.K. Rowling wirklich dankbar: Die Kids lesen wieder mehr, anstatt vor der PS3 zu hängen – und das – ist doch schon mal etwas.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über seine Lieblingsromane:

Es gibt zu viele geniale Romane, als dass ich einfach mehrere wählen könnte, aber: es gibt eine Tendenz und diese geht in Richtung Russland. Ich halte die klassischen, russischen Autoren wie Bulgakow, Gogol, Dostojewskij und Tolstoj für die Besten! In ihnen findet man alles, was man über den Menschen finden kann. Es waren üppige, fesselnde Romane, die mir die Nächte geraubt und mich selbst danach nicht losgelassen haben. Wer einmal Dostojewskijs „Der Idiot“ gelesen hat, weiß, was ich meine.In der Zeit der moderne ist es natürlich der Kolumbianer G.G. Marquez der mich mit all seinen Werken überzeugt hat. Auch der Spanier Javier Marias ist ein Genie, denn was seine Helden in „Morgen in der Schlacht denk an mich“ gleichzeitig erleben und wie Marias das beschreibt, haut einen um. Mehr dazu in den Buchempfehlungen.



10.08.2010

Darko Spoljar
Wie er sich motiviert, weiter zu schreiben:

Es gibt natürlich gewisse, kleine Gimmicks. Kann man aus welchen Gründen auch immer (Müdigkeit, Termine, etc.) nicht weiter an seinem Roman arbeiten, fängt man einen Satz an, den man dann erst am nächsten Tag beendet, um danach wieder weiter zu schreiben.  Doch die eigene Motivation sollte aus den Figuren und der Handlung heraus entstehen. Eines ist schon klar: Wenn wir schon selber unser Werk nicht spannend finden, wie dann erst der Leser? Sobald ich interessante Figuren entwickle, möchte ich auch wissen, was mit diesen geschieht. Es gibt Bücher, deren Plot ziemlich schwach oder langatmig ist, jedoch sind die Figuren stark und auch dann – möchte man wissen, wie es weitergeht.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über seine eigene Person:

Ich bin nicht der typische Autor, der ein Eremitendasein bevorzugt. Bedeutet: Nur Introvertiert bin ich schon einmal nicht, nur extrovertiert jedoch auch nicht. Ich denke, ich liege irgendwo in der – wie immer – gesunden Mitte.



10.08.2010

Darko Spoljar
Warum er schreibt:

Ich habe sehr vieles gesehen – egal ich welchem Land ich mich befunden habe. Da ich ein Elefantengedächtnis besitze, kann ich alles widergeben. Ich speichere alles, was ich sehe und höre. In meiner frühen Schulzeit entwickelte ich bereits eine große Liebe zu Büchern – und zur deutschen Sprache. Mein überraschend gutes Können habe ich in Diktaten und Aufsätzen bewiesen.
Glück hatte ich auch. Dieses Glück hieß Ernst Patt, einst Direktor der Handelsschule in Eitorf, der mein Talent entdeckt und mich immer weiter gefördert hatte. Ein fanatischer Germanist, doch genau das habe ich gebraucht, weil ich nicht von einem „laschen Typen“ gepusht werden wollte, sondern von einem richtig harten Mistkerl. Sein Lieblingssatz war: „Der beste Deutsche – ist ein Kroate.“Natürlich ist man stolz auf solch ein Kompliment von solch einem Mistkerl.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über Fortsetzungen:

Es gibt Bücher, die niemals eine Fortsetzung gebraucht hätten, ja, deren Fortsetzung einem Verbrechen gleicht.  „Scarlett“ von Alexandra Ripley ist so ein Buch. Denn „Vom Winde verweht“ von Margaret Mitchell endete genau so, wie es enden sollte. Einem ursprünglich dramatischen Ende ein Happy End zu verpassen ist – es tut mir leid – totaler Schwachsinn oder hätte jemand etwa gerne eine Fortsetzung von Dostojewskijs „Der Idiot?“ Oder „100 Jahre Einsamkeit“ von G.G. Marquez? Nicht falsch verstehen: Eine Fortsetzung ist fast immer möglich, doch … macht sie auch Sinn? Und wo wir gerade bei Dostojewskij sind … sogar der große Meister selbst wollte eine Fortsetzung zu seinem Meisterwerk „Die Brüder Karamasow“ schreiben und wenn man den Roman einmal gelesen hat, so kann man auch sicher übereinstimmend behaupten, dass diese Fortsetzung Sinn gemacht hätte. Was meine Balkan-Trilogie angeht, so ist eine Fortsetzung alleine deshalb schon deshalb sinnvoll, weil die Entwicklungen der verschiedenen Personen von z.B. Kindes- bis zum Erwachsenenalter an beschrieben werden, einmal abgesehen, dass es aufgrund der sehr gemischten Völker des ehemaligen Jugoslawien ohnehin sehr viele tolle Geschichten zu erzählen gibt.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über den ersten Satz eines Buches:

Man mag die Wichtigkeit des ersten Satzes für ein Mythos halten, aber: er ist wahr. Einer Untersuchung zufolge achtet der anspruchsvolle Leser schon sehr wohl auf den berühmten ersten Satz und trifft u.a. auch daraufhin die Kaufentscheidung. Ich finde, der erste Satz ist so etwas wie eine Einladung zum Weiterlesen.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über unbekannte Autoren und den Weg nach oben:

Ohne Beziehungen oder einen Agenten hilft nur Glück. Gute Beziehungen zu Verlagen sind genauso rar gesät wie ein guter Einstieg zu einem Agenten – auch hier helfen meist nur Beziehungen. Manuskripte werden meist abgelehnt. Das ist die Wahrheit – und sie ist grausam!
In meinem Fall hatte ich Glück. Als ich damals das „Mino-“Manuskript an die Frankfurter Verlagsgruppe geschickt habe, hieß mein Glück Stefan Hitzel. Ein hochintelligenter Mann, dieser Lektor mit dem richtigen Verständnis für meine Geschichte. Später hatte ich noch einmal Glück, weil der Wenz-Verlag durch „Mino“ auf mich aufmerksam geworden ist und bei mir nachfragte: „Herr Spoljar, haben Sie nicht zufällig einen Roman in petto?“
Zufällig hatte ich – er war in seiner Ursprungsfassung 700 Seiten dick und hieß „Die Spiele des Lebens“.  Der Roman wurde von diversen Lektoren des Verlages gelesen, man war überzeugt und die Arbeit konnte beginnen.
Und wir reden hier von wirklich harter Arbeit!  Doch wie landet man nun endlich auf der Bestsellerliste? Es gibt meiner Meinung nach 2 Möglichkeiten: Entweder sorgt der Verlag für ständige Medienpräsenz oder man hat Glück und wird durch das Internet berühmt.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über die Arbeit an einem Roman:

Wer denkt,  Schreiben wäre ein Pappenstiel wird sich spätestens dann wundern, wenn die ersten Korrekturfahnen da sind – und die … sind noch gar nichts im Vergleich zu dem, was noch kommt! Liest man das eigene Werk zum 10. Mal durch, ist man reif für eine Dosis Thorazin. Bis auch der letzte Satz stimmt und das letzte Wort sitzt, vergeht eine seeeeehr lange Zeit, natürlich immer vorausgesetzt, man möchte Bestleistung abliefern und ich denke, man sollte als Autor zunächst einmal diesen – und nur diesen! -  Anspruch an sich selbst haben, denn: Zeit ist kostbar und es gibt kaum etwas Schlimmeres, als die kostbare Zeit eines Lesers mit einem schlechten Buch zu vergeuden. Ich weiß, die Bezeichnung „Schlecht“ ist relativ, doch schaut man als Schriftsteller über „Kleinigkeiten“ in seinem eigenen Werk hinweg, nur weil man „mal keine Lust“ hat, ist dieses Handwerk dann auch – das Falsch.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über schlechte Kritik:

Herbert Huber aus Wasserburg fand „Mino“ nur mittelprächtig (s. dazu  http://www.lesekost.de/deutsch/HHLD25.htm). Es war die einzige negative Kritik. Sie tat nicht weh, aber sie hat mich aufgeregt. Ich glaube, nicht der Verriss an sich bohrt sich in die Seele des Autors, sondern die Wut darüber, dass man nicht verstanden wurde. Da klagt Herr Huber:  „Lynchjustiz lehne ich ab, auch in dieser extremen Situation.“ Nun, ich denke, die meisten Menschen sehen das genauso, doch es passiert. Darf ich also keine Geschichte über Lynchjustiz schreiben oder darf ich sie nicht verherrlichen oder …?  Darüber äußert sich der Kritiker nicht. Und hier kommt der Punkt: Äußere ich Kritik, sollte sie möglichst genau sein. Außerdem spielt – und das weiß JEDER  Kritiker - die persönliche Meinung nur eine untergeordnete Rolle, da man ansonsten nicht objektiv an den Stoff herangehen kann. Auch ich fand das Sterben im KZ grausam, doch darüber geschrieben werden muss trotzdem.



10.08.2010

Darko Spoljar
Über Lesungen:

Als ich während der  Frankfurter und Leipziger Buchmesse anderen Autoren bei Ihren Lesungen zugehört habe, packte mich so manches Mal das Grauen. Wie leblos sie doch aus ihren Büchern gelesen haben, wie langweilig, wie einschläfernd. So etwas würde ich meinen Lesern niemals antun. „Mensch, bei Ihnen hört sich das an wie bei einem Hörspiel!“ sagte mir ein älterer Herr nach einer meiner Lesungen.

Und genauso sollte es auch sein.

Denn in eine Lesung sollte man – gleich einem Sänger – alles hereinstecken, was man gerade fühlt. Autoren, die ohne Herz lesen, sollten es besser ganz lassen. Und die Autoren, die sich für Fragen nach der Lesung nicht die Zeit für Ihre Fans nehmen, verachte ich, denn immerhin waren jene ist, die den Schriftsteller nach oben geboxt haben.
 
LIEST GERADE
21.08.2014
G.R.R. Martin:
Ein Lied von Eis und Feuer - Band 2

SIEHT GERADE
24.08.2014
Spartacus - Season 1

SPIELT GERADE
20.05.2014
Dark Souls (PS3)

SONSTIGES
13.06.2014
WM 2014 - und nix anderes



"Das sind die Spiele des Lebens, und es gibt keine Anleitung, nach der sie gespielt werden, was das Schönste und Spannendste, gleichzeitig aber auch das Gemeinste am Leben ist."

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